NDGR mit W.I.R. erfolgreich beim HSK 2017!

Vom 20. bis 22. Juni fand in Berlin der diesjährige Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit statt. Das Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen (NDGR e.V.) organsierte hierfür – bereits zum dritten Mal – einen Gemeinschaftsstand unter dem Label „W.I.R. – Wissen. Innovation. Region.“. Neben dem NDGR und drei seiner Mitgliedsregionen waren acht Aussteller dabei, vier Universitäten und Hochschulen, zwei innovationsaktive Gesundheitsdienstleister, ein Beratungsunternehmen sowie – erstmalig – der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) e.V.

Der W.I.R. Stand war nicht nur ein viel besuchter Infostand und Meeting Point, sondern es gab auch ein anspruchsvolles Talkprogramm. In insgesamt sieben kurzen Diskussionsrunden wurden Schlüsselthemen der Gesundheitswirtschaft aufgegriffen, sowohl mit Beiträgen aus den Reihen der W.I.R. Aussteller als auch mit externen Gästen. Die Diskussionen erwiesen sich dabei nicht nur als „Leistungsschau“, sondern als „echte“ Workshops mit interessanten Ergebnissen und Gestaltungsanregungen.

In der ersten Gesprächsrunde „Gestern Durchkommen, morgen Durchstarten. Rehabilitation auf dem Weg zu gestärkten Leistungsfähigkeiten“ zeichnete sich als konkrete Gestaltungsperspektive ab, dass neue Wege der patientenorientierten und individuell ausgerichteten Arbeitsteilung zwischen stationärer, ambulanter und zuhause stattfindender Reha entwickelt werden sollen. Hilfreich hierfür wird die Nutzung digitaler Techniken sein, von integrierten Patientenakten bis hin zu Telemedizin. Verabredungen für entsprechende Aktivitäten wurden noch im Laufe des HSK getroffen. Erfreulich am Rande, dass sich ein Vertreter des Bayerischen Heilbäderverbandes vom Nachbarstand in die Diskussion einbrachte und sein Interesse an entsprechenden Kooperationen zum Ausdruck brachte.

In der zweiten Gesprächsrunde „Brücken bauen zwischen den Versorgungssilos“ ging es um Kooperation und Integration in der Gesundheitswirtschaft. Hier wurde deutlich, dass diese Uraltaufgabe nach wie vor unzureichend gelöst ist und dass es massive Fragezeichen gibt, ob der neu geschaffene Innovationsfonds nachhaltige Verbesserungen bringen wird. Alle Teilnehmer am Gespräch waren sich einig, dass das NDGR in den kommenden Jahren daran mitarbeiten sollte, Lösungen für tragfähig integrierte Versorgungskonzepte zu finden. Am besten sei es, darauf hinzuarbeiten, dass diese nicht gesondert, sondern aus der Integrationsdividende finanziert werden können.

Bei der dritten Gesprächsrunde ging es um „Digitalisierung zwischen Disruption und ‚Innovationsstottern‘“. Als wichtigstes Ergebnis zeigen sich Anzeichen dafür, dass die jahrelange Innovationszurückhaltung großer Teile der Gesundheitswirtschaft ihr Ende findet. Digitalisierungserfahrene Patienten, aber auch mehr und mehr Gesundheitsprofis verlangen, dass sich die Anbieter der modernen Technologien bedienen und drohen, gegen innovationsunwillige Anbieter mit den Füßen abzustimmen. Überall in den deutschen Gesundheitsregionen erfreuen sich deshalb Neuerungen, die sich digitalisierter Techniken bedienen, wachsender Beliebtheit. Gesundheitsregionen sind Digitalisierungstreiber und oft auch Digitalisierungsplattform. Ganz wichtig wird, dass bei der Digitalisierung der Brückenschlag zur Arbeitsgestaltung gelingt, damit sie auch dabei hilft, die Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft attraktiver und zukunftsfähiger zu gestalten.

Die vierte Gesprächsrunde hatte den Titel „(Un-)Begrenzte Möglichkeiten? Regionale Versorgung innovativ gestalten“ und eröffnete einen tiefen Einblick in die Gesundheitswirtschaftsaktivitäten der Stadt und Region Osnabrück. Drei Aspekte waren dabei besonders bemerkenswert: Erstens zeigt sich in dieser wirtschaftlichen Boomregion immer stärker, dass Personalengpässe, gerade auch bei der Pflege, mittlerweile massiv werden und Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft zu Gemeinschaftsaktionen drängen. Zweitens kann eine dauerhaft angelegte Zusammenarbeit von Universitäten und Hochschulen die gesundheitswirtschaftliche Entwicklung einer Region nachhaltig stärken. Allerdings wird auch der Druck größer, dass Wissenschaft nicht nur analysiert und evaluiert, sondern sich auch als Lösungslieferant unter Beweis stellt. Und drittens kann Gesundheitswirtschaft „vor Ort“ kräftig vom „Blick über den Tellerrand“ profitieren. So kommen etwa für die grenznahe Region Weser-Ems beim Thema MRSA wichtige Impulse aus den benachbarten Niederlanden, v.a. aus Groningen.

Bei der Gesprächsrunde Nr. 5 ging es um „Prävention im Setting: Breite oder neue Tiefe?“ Die Antwort lautet – wenig überraschend -, dass beides nötig ist. Zum einen ist die Gesundheitsorientierung bei der Stadt- und Regionalplanung eine neue Chance, die zunehmend auf der Tagesordnung steht und immer öfter genutzt wird. Zum anderen zeigt sich, dass noch deutlich Vertiefungen möglich sind, etwa wenn Krankenhäuser ihr Entlassungsmanagement bei Demenzpatienten mit Angehörigenarbeit verknüpfen. Damit wollen sie präventiv dazu beitragen, dass Pflegende zuhause an der Herausforderung „Demenz“ weniger oft verzweifeln und selbst krank werden. Bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung hat sich die regionale Zusammenarbeit im Grundsatz bewährt; ein Zukunftsthema wird, dass auch Gesundheitsanbieter selbst – v.a. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen – von solchen Verbundaktivitäten besser profitieren.

Gesprächsrunde Nr. 6 widmete sich dem Thema „Qualifizieren für die Gesundheit: Nach der Reform ist vor der Reform“. Sie stand stark unter Einfluss des unmittelbar vorher gefällten Beschlusses des Deutschen Bundestages, die Pflegeausbildung grundsätzlich zu erneuern. Wenngleich mit diesem Beschluss endlich zentrale Anliegen der Fachdebatten der vergangenen Jahre aufgegriffen wurden, gab es weitere Anregungen für die Zukunft. Einerseits ist noch viel Engagement und Konzertierung nötig, um die Reform der Pflegeberufe praktisch umzusetzen; andererseits bleibt weiterhin unklar, wie die begonnene Akademisierung der Gesundheitsfachberufe weitergeht, d.h. wann die endgültige „amtliche“ Anerkennung erfolgt und der vorläufige Versuchsstatus beendet werden kann. An den einschlägig engagierten Hochschulen jedenfalls wird die akademische Ausbildung bei Pflege, Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und bei der Geburtshilfe engagiert betrieben und stößt auf großes Interesse, sowohl bei Studierenden als auch in der Praxis. Hier herrscht kein Zweifel, dass der Akademisierungsprozess erfolgreich gestartet ist und sich bewährt; das Zögern der Politik mit Blick auf die endgültige Anerkennung irritiert allerdings massiv.

Bei der siebten und abschließenden Gesprächsrunde ging es dann um die „Aufwertung der Gesundheitsberufe: Herausforderungen, Hindernisse, Perspektiven“. Dieses Thema – so Hermann Gröhe, der Bundesgesundheitsminister, bei der Eröffnungsveranstaltung des HSK 2017 – müsse in der nächsten Legislaturperiode eine bedeutende Rolle einnehmen. Zwar hat es auch in den letzten Jahren schon einige Fortschritte gegeben, etwa der Modellversuch zur Blankoverordnung, jedoch ist dies aus Sicht der Gesundheitsberufe keineswegs ausreichend. Es geht v.a. um drei zentrale Punkte: Die Verbesserung der Ausbildung (gerade auch bei der akademischen Qualifizierung, s.o.), Anhebungen bei der Vergütung sowie mehr professionelle Autonomie bei der Verordnung von Leistungen. Hilfreich wäre ein Masterplan zur Bewältigung dieser Aufgaben. Teil dessen sollte dann auch ein inneres, curriculares „Upgrading“ der akademischen Ausbildung sein, wobei es gerade auch auf eine bessere Verzahnung der Lernorte Hochschule/Universität einerseits und Praxis andererseits ankommt. Gesundheitsregionen stehen als Plattformen für wegweisende Modellversuche für eine aufgewertete Rolle der Gesundheitsberufe zur Verfügung. Angeregt wurde etwa ein Versuch zu interprofessionellen Gemeinschaftspraxen, in denen auch Ärztinnen und Ärzte vertreten sind, und die über ein gemeinsames Gesamtbudget verfügen können.

Die Gesprächsrunden wurden moderiert von Dr. med. Petra Rambow-Bertram (KRH Klinikum Region Hannover, Vorsitzende Gesundheitswirtschaft Hannover e.V., stellv. Vorsitzende des NDGR) und Prof. Dr. Josef Hilbert (Institut Arbeit und Technik/Westfälisches Institut für Gesundheit, Vorstand MedEcon Ruhr, Vorsitzender des NDGR). Beide konnten am Ende der Serie von Talkrunden zufrieden resümieren, dass sich der Aufwand, auf dem W.I.R. Stand ein inhaltlich anspruchsvolles und vielseitiges Programm anzubieten, auf jeden Fall gelohnt hat. „Es kam nicht nur zu einem fachlichen Austausch, sondern es wurden auch Anstöße für zukünftige Aktivitäten, für konkrete Zusammenarbeit gegeben“, betonte Petra Rambow-Bertram. „Bei der nächsten Vorstandsitzung des NDGR wird es den Tagesordnungspunkt ‚W.I.R. 2018‘ geben“, kündigte Josef Hilbert an, „und selbstverständlich werden wir die zahlreichen Impulse aus den Diskussionen in unsere weitere Arbeit im NDGR integrieren“.


Die Liste der W.I.R. Aussteller beim Hauptstadtkongress 2017 sowie Details zu den Talkrunden sehen Sie in den „Schlaglichtern“.